Menschenbilder und die Auswirkungen auf Führung

Wie jemand führt oder sich im Umgang mit anderen verhält, hängt stark mit seinem Menschenbild zusammen. Interaktionen finden in der Form statt, was und wie über andere Menschen gedacht wird und was ihnen dabei für Eigenschaften zugeschrieben werden.

Menschenbilder sind typisierte Theorien über menschliche Verhaltens- oder Sichtweisen, die in der Wissenschaft und Praxis existent sind. Das Menschenbild der Personalführung wird definiert als „Grundannahmen, Einstellungen und Erwartungen von Führungskräften gegenüber den Zielen, Fähigkeiten, Motiven und Werten von Mitarbeitern, häufig auch als „implizite Persönlichkeitstheorien“ bezeichnet.“

Darüber hinaus impliziert die Führungskraft im Menschenbild ihr eigenes Selbstbildnis, das als Orientierungshilfe und Alibi für eigenes Handeln fungiert.
Die Betriebswirtschaftslehre erklärt den Ansatz des „homo oeconomicus“ als klassisches Menschenbild. In diesem Ansatz, der nicht mit der Realwissenschaft in Einklang zu bringen ist, handelt der Mensch ausschließlich nach ökonomischen Prinzipien. Dies bedeutet, dass der Mensch rational, nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung handelt und jederzeit vollkommen informiert ist.

Die Personalführungslehre kennt zahlreiche Ansätze über das Menschenbild.
Der wohl bekannteste Ansatz, der sich auf den arbeitenden Menschen in Organisationen bezieht, ist die von McGregor konzipierte XY-Theorie (Diese Theorie wurde später ergänzt bzw. weiterentwickelt mit der Theorie Z). Dieser stark generalisierte Ansatz zweier konträrer Menschenbilder klassifiziert den Menschen in positiv oder negativ.
Die Theorie X, das negative Menschenbild, beschreibt ein einseitiges Menschenbild, das in der klassischen Führungsliteratur seinen Ursprung hat. Der Gegensatz, die Theorie Y, das positive Menschenbild, erklärt das neue Menschenbild, in welchem dem arbeitenden Menschen ein Rahmen aufgezeigt wird, in dem er seine persönlichen Ziele erreicht und sich den Zielen des Unternehmens unterordnet. Die folgende Abbildung (nach Rosenstiel 2007, S. 143)  zeigt die grundlegenden Annahmen der beiden Konzepte:

Bildschirmfoto 2013-09-10 um 14.11.06

Diese Arten von Persönlichkeitstheorien entwickeln ihre eigene Dynamik in der Gestaltung von Führungsbeziehungen. Denn diesen Theorien haftet der Effekt an, sich selbst zu bestätigen („self-fulfilling prohecy“).139

Aber nicht die Menschenbilder bestätigen sich selbst, sondern die Träger solcher Ansichten bestätigen die Theorie durch ihre Erwartungshaltungen.
In diesem Fall sind es die Vorgesetzten, die meist unbewusst durch ihr eigenes Verhalten Reaktionen bei den Geführten herbeiführen. Auslößend wirken hierbei die eigenen Erwartungen des Vorgesetzten. Die Geführten bestätigen schließlich die Erwartungen des Führers. Diese Reaktion führt dann wiederum dazu, dass der Führer sich in seinem Handeln bestätigt fühlt. Ein Kreislauf, der in positiver, wie in negativer Richtung ablaufen kann. Die Abbildung zeigt den Prozess der self-fulfilling prophecy (nach Comelli und Rosenstiel):

Bildschirmfoto 2013-09-10 um 13.50.08

Die Phrase: „Jeder Chef habe -zumindest langfristig- die Mitarbeiter, die er verdiene“, spiegelt diesen Sachverhalt wieder.

Quellen:
Wunderer 2007: 618
Hentze/ Graf/ Kammel/ Lindert 2005: 46
Rosenstiel 2007:144
Comelli/ Rosenstiel 2003: 113

Related Post

Menschenbilder und die Auswirkungen auf Führung
Markiert in:        

2 Gedanken zu „Menschenbilder und die Auswirkungen auf Führung

  • 31. Januar 2014 um 11:23
    Permalink

    Hallo Herr Gutknecht,

    interessant können in diesem Zusammenhang auch die sozialpsychologischen „Mechanismen“ der „konfirmatorischen Informationssuche“ sein. Dabei sucht (bzw. verstärkt) der Mensch die Reize aus seiner Umwelt, die sein eigenes Weltbild bestätigen. Dieser Prozess dient der Aufrechterhaltung von Sinnhaftigkeit und Bestätidigkeit.

    Herzliche Grüße,

    peter reitz

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.