Dafür sind #Persönlichkeitstheorien gut!

… Fortsetzung zu letztem Beitrag Wofür sind eigentlich #Persönlichkeitstheorien gut?

Ich habe Sie zum Schluss aufgefordert darüber nachzudenken: „Inwieweit haben Sie selbst bisher Menschen nach ihrer Persönlichkeit beurteilt? Nach welchen Kriterien beurteilen Sie die Persönlichkeit von Ihren Freunden, Bekannten, Arbeitskolleg/innen oder ihrer Familie?“

Die Frage ist nach welchem Schema oder Ansatz geht man vor… In der wissenschaftlichen Literatur gibt es verschiedene Theorien, wie z.B.:

a) Der Typen-Ansatz oder b) Der Trait-Ansatz

Wenden wir uns diesen Ansätzen nun zu…

a) Der Typen-Ansatz  („Alles-oder-Nichts-Phänomene“)

–> Schon im 5. Jahrhundert v. Chr. hat der griechische Arzt Hippokrates den Körper in 4 Flüssigkeiten eingeteilt, die als Körpersäfte tituliert worden. Die Säfte erlaubten die Persönlichkeit einem bestimmten Temperament zuzuweisen, die in Verbindung mit bestimmten Emotionen und Verhaltensweisen stehen sollen.

–> Auch im 2. Jahrhundert n. Chr. unterteilte der griechische Arzt Galenos die Persönlichkeit nach 4 Persönlichkeitstypen, abhängig davon welcher Körpersaft vorherrschte (vgl. Gerrig und Zimbardo 2008, S. 505)

–> Solche Arten von Unterscheidungen anhand von Merkmalen, wie zum Beispiel Geschlecht, Schulabschluss, Einkommen oder Religion, in „klar umgrenzte, nicht überlappende Kategorien“, werden als Persönlichkeitstypen bezeichnet. Sie sind „Alles-oder-Nichts-Phänomene“ (Gerrig und Zimbardo 2008, S. 505).

Fazit: Da die Persönlichkeit oft nicht so einfach zu begreifen ist und der Typenansatz wenig Spielraum für Unterscheidungen zulässt, wenden wir uns nun dem Trait-Ansatz zu.

 

b) Der Trait-Ansatz (engl. : Eigenschaft, Charakterzug, Merkmal)

–> Im Gegensatz zum Typen-Ansatz erlaubt der Trait-Ansatz die Persönlichkeit in kontinuierliche Dimensionen der Persönlichkeit einzuteilen, wie z.B. Freundlichkeit oder Dominanz.

–> Diese Einteilung in „überdauernde Merkmale und Eigenschaften, die eine Person dazu prädisponieren, sich über verschieden Situationen hinweg konsistent zu verhalten“ (Gerrig und Zimbardo 2008, S.505), erlauben es zu zeigen warum Menschen sich in einer spezifischen Situation in einer Art und Weise verhalten.

–> Der Trait ist dabei die intervenierende Variable, die auf eine Reizsituation, welche charakteristische Merkmale aufweist, eine bestimmte Reaktion folgen lässt. Dabei gibt es verschieden Ansätze, wie ein bekannter von Gordon Allport, der die Kombination von Traits, die sich in Persönlichkeitsstrukturen manifestieren, ursächlich für menschliches Verhalten sieht – und nicht Umweltbedingungen.

–> Der Identifikation von universellen Trait-Dimensionen wurde große Beachtung geschenkt, in der Weise, wie viele grundlegende Dimensionen es gibt, wie universelle Charakterisierungen angestellt werden können und dabei beitragen individuelles Verhalten zu verstehen und vor- herzusagen. Aufbauend auf Hans Eysencks, der drei breite Dimensionen, wie Exraversion, Neurotizismus und Psychotizimus ausmachte, die sich mit den vier Persönlichkeitstypen von Hippokrates, innerhalb einer kreisförmigen Anordnung kombinieren lassen, hat sich das Fünf-Faktoren-Modell herauskristallisiert. Schon in diesem vier Quadranten-Anatz von Eysencks war es möglich individuelle Variationen oder Kombinationen innerhalb dieser Katego- rien vorzunehmen. (vgl. Gerrig und Zimbardo 2008, S.508)

BIG FIVE (Das Fünf-Faktoren-Modell)

–> Die im Modell ausgearbeiteten Dimensionen bestehen aus fünf bipolaren Eigenschaftsdimensionen. Dabei weisen solche Begriffe, die ihrer Dimension ähnlich sind eine hohe Ausprägung; Solche, die sich von der Dimension in das Gegenteil verwandeln, beschreiben eine niedrige Ausprägung. In jeder Dimension sind viele Eigenschaften, einer übergeordneten Kategorie zugeordnet. Die einzelnen Dimensionen sind (vgl. Gerrig & Zimbardo 2008, S. 509):

– Neurotizismus: Nervosität, Ängstlichkeit, Gefühlsschwankungen vs. Stabilität, Zufriedenheit, Ruhe

– Extraversion: Ungehemmtheit, Aktivität. Zuverlässigkeit vs. Ruhe, Schüchternheit,

– Gewissenhaftigkeit: Ordentlichkeit, Zuverlässigkeit, Beharrlichkeit vs. Leichtsinnigkeit, Verantwortungslosigkeit, Sorglosigkeit

– Verträglichkeit: Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Wärme vs. Distanziertheit, Streitsüchtigkeit, Unbarmherzigkeit

– Offenheit für Erfahrungen: Intellektualität, Neugier, Gefühl für Kunst und Kreativität vs. Einfachheit, Oberflächlichkeit, fehlende Neugier

Fazit: In der gegenwärtigen Forschung hat sich eine hohe Übereinstimmung gefunden, dass diese Fünf-Faktoren am Besten geeignet sind um die Persönlichkeitsstruktur des Menschen zu charakterisieren.

Weltweit wurden zahlreiche Fragebögen entwickelt zur Erfassung der Big Five. Namentlich zum Beispiel das NEO Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI), das Big-Five-Inventar (BFI) oder das NEO Persönlichkeitsinventar, revidierte Form (NEO-PI-R). Je nach Sinn und Zweck hat der Nutzer die Wahl, sich für einen ökonomischen, dafür aber wenig differenzier- ten oder für einen aufwendigen, aber ein differenziertes Verfahren zu entscheiden (vgl. A- sendorpf 2011, S. 54f.).

Jedoch gibt es noch viele weitere Ansätze, die versuchen die Komplexität der menschlichen Persönlichkeit zu erfassen… Denn wo war eigentlich Freud!? 😉 Dazu bald mehr…

 

 

 

 

 

 

 

 

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